SO SCHMECKT DIE HALLIG

MMMMH Lecker. Mehlbüddel mit Fruchtsoße.
Dazu vielleicht ein Glas Holundersekt? Auf den Halligen wird phantasievoll und köstlich-lokal aufgekocht.
Ein kulinarisch exemplarischer Rundgang durch die Küchen von Hooge.

Die Halligen sind faszinierend, exotischund einfach hinreißend, wenn man sich drauf einlässt. Dass sie auch überaus appetitanregend sein können, beweisen sie mit regionalen Spezialitäten auf den Speisekarten ihrer Restaurants. Wobei ein kleiner kulinarischer Sprachkurs mit teilweise verblüffenden Übersetzungen gleich inklusive ist.

»Porrenpann« beispielsweise hat so gar nichtsmit Porree oder anderen Lauchvertretern zu tun. Der Begriff kommt aus dem Plattdeutschen: »Porren« heißen Krabben, das Wort »Pann« lässt sich leichter herleiten und steht für »Pfanne«. Die Krabbenpfanne von den Halligen ist köstlich, auch für Anfänger keine Herausforderung und basiert – neben Krabben – auf einem ordentlichen Schuss Weißwein sowie einem Haufen Petersilie, dazu gibts am liebsten frische Pellkartoffeln. Der legendäre »Mehlbüddel« widersetzt sich keiner Übersetzung: Früher wurde der Halligmehlbeutel tatsächlich noch im Tuch aufwändig bis zu drei Stunden im Wasserbad gegart, heute gibts dafür bequemere, meist gugelhupfähnliche Formen. Der besondere Reiz des Mehlbüddels, der wahrscheinlich von den Seefahrern des 17. Jahrhunderts aus England mit auf die Halligen gebracht wurde und auf den britischen »Pudding« zurückgeht, ist seine süß-salzige Kombi: Dem Wasserbad wird nämlich im Original ein Stück Schweinebacke zugesetzt. Der Mehlbüddel selbst wird in Scheiben geschnitten serviert mit Früchten, Backobst oder Sirup und zerlassener Butter, bei Hardlinern darüber hinaus auch in der traditionellen Paarung mit Schweinebackenscheiben und Pellkartoffeln. Sättigungsfaktor: garantiert 100 Prozent.

Ein zauberhafter Faktor der Halligküche istder Holunder: Im Frühsommer werden seine zarten, kleinen weißen Blütendolden gesammelt und zu Bowle oder köstlichem Holundersekt verarbeitet – eine rare und nur kurzzeitig erhältliche Spezialität, die Norddeutschland-Fans unbedingt kosten sollten. Genauso wie die berühmte »Boddermelksop mit Klümp«, die erfrischend leichte Buttermilchsuppe mit Klößen aus Gries. Den »Pharisäer« oder die »Tote Tante« trifft man auf den Halligen früher oder später von ganz allein: unter der Sahnehaube des Kaffees oder der Trinkschokolade verstecken beide einen kräftigen »Schuss«, der vor allem gegen Schlechtwetter hilft, aber auch ein netter Stimmungsmacher ist.

Selbstverständlich schmecken die Halligen auch intensiv nach Meer: Wer länger hier
bleibt, wird mit etwas Glück und überkniehohen Gummistiefeln vielleicht mal zum Austernsammeln eingeladen an den Lahnungen und genießt anschließend ein luxuriöses Selbstversorger-Vergnügen der besonderen Art – Austern direkt auf dem Sommerdeich aus der Hand (und der Austernschale) in den Mund oder in zarter Mehlpanade und Öl auf dem Herd ausgebacken. Tipp: Einen guten Weißwein für die Gastgeber dabeizuhaben erhöht vielleicht die Chance auf eine entsprechend Einladung. Abschließend noch ein Muss für alle Halligbesucher: Wenn irgendwo Muscheln auf der Karte stehen oder zum großen Muschelessen in einer der Gaststätten eingeladen wird – unbedingt hingehen. Meer geht nicht!