DIE HÖHEPUNKTE VON HOOGE

- Fotos: Hans Jessel - Text: Renée Oetting-Jessel/Kattrin Mauz-Rudi
Warftportraits Hooge, fünfeinhalb Quadratkilometer groß, ist vielleicht die bekannteste, mit Sicherheit die lebhafteste Hallig. Zehn bewohnte Warften gibt es hier. Jede mit ganz eigenem Profil, manche mit speziellen Aufgaben, alle mit – im wahrsten Sinne des Wortes – herausragendem Charme. Wer, was, wo und warum: hier der ultimative Wegweiser für Hooges ganz spezielle Höhepunkte.
+ + + Kirchwarft Hier wohnt der Pastor, hier ist die Kirche zu Hause und wenn um 10 Uhr sonntags Gottesdienst ist, kann man schon um viertel vor vom Friedhof aus nachsehen, ob vielleicht noch einer kommt von irgendwoher. + + + Ipkenswarft Ein idyllisches Ensemble roter Backsteinhäuser: Hier lebt auch der bekannte Hallig Archivar Siegfried Baudewig. + + + Backenswarft Ein richtiges Hühnerhaus, ein Ziegenbock, viele Pferde: Hier ist tierisch was los, nicht nur, wenn die Ausflugsschiffe und Fähren anlegen. + + + Westerwarft Eine exponierte Lage, ein großartiger Weitblick auf die Nachbarschaft, eine Badestelle direkt vor der Haustür: Hier greift der Westwind zuerst an, wenn es stürmisch wird. + + + Mitteltritt-Lorenzwarft Aus zwei mach eins, ganz exklusiv: Hier ist das einzige Warften-Duett der Hallig entstanden, mit einem Doppelnamen. + + + Ockelützwarft Schule mit schöner Aussicht und Turnhalle im ersten Stock: Hier werden alle Hallig-Kinder gemeinsam, also jahrgangsübergreifend in einer Klasse unterrichtet. + + + Hanswarft Das Zentrum von Hallig Hooge: Erste Anlaufstelle für alle Tagestouristen, hier gibts die meisten Sehenswürdigkeiten, lecker Essen und nach Abfahrt der Ausflugs-Schiffe und der Fähre wird es wieder sehr gemütlich. + + + Volkertswarft Ferienhof, Bolzplatz, Zeltplatz: Hier ist eines der beliebtesten Ziele für Klassenfahrten, Familienferien, Studienreisen und Camper (Mai bis August) zu finden. + + + Ockenswarft Pellworm liegt fast vor der Haustür, gleich hinter der Badestelle und »Landsende«: Hier im äußersten Osten von Hallig Hooge geht es beschaulich zu . + + +
Westerwarft
Sie hat die Nase vorn auf Hooge: die idyllische Westerwarft, der der schützende Sommerdeich quasi zu Füßen liegt. Über die Warft wacht Ekke Neckepenn – eine Skulptur des fabelhaften Wesens, das nordseeauf, nordseeab den Menschen Streiche gespielt haben soll und hier vom Nürnberger Bildhauer Vaclav Wenzel Gatarik festgehalten wurde – als Skulptur aus graugrünem Kalkstein und Kalzit. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Westerwarft, an exponierter Position den Elementen ausgesetzt, mehrfach schwer verwüstet bei Sturmfluten. Die heutige Westerwarft ist bereits die zweite. 1953 wurde sie in einem wahren Kraftakt in reiner Handarbeit, also ohne schweres Gerät, sicherheitshalber um sechs Meter erhöht.
Ipkenswarft
Fünf typisch holsteinisch rote Backsteinhäuser gruppieren sich auf dieser oval ausgeformten Warft. Die Ipkenswarft ist in die Halligliteratur eingegangen: mit dem Roman »Der Halligpastor«, den Heimatschriftsteller Wilhelm Lobsien Anfang des 20. Jahrhunderts verfasste. 1962, während der großen Sturmflut, machte die Warft bundesweit Schlagzeilen: als ihre Bewohner auf dem Dachboden ihres alten Hauses nur überlebten, weil ein riesiger Heuhaufen das Gebäude stützte und so vor dem Totalzusammenbruch unter dem Druck der Wassermassenschützte, die bereits durchs Erdgeschoss tobten. Nach der Flut mussten alle Häuser auf der Warft komplett neu aufgebaut werden, 1998 wurde hier die Warft nochmals erhöht.
Hanswarft
Wer hats zuerst gesagt? Urlauber oder Hanswarftbewohner? Diese Warft, mit 180 mal 200 Metern die größte, wird auch als »das Gelbe vom Ei« tituliert. Die dotterhafte Attitüde hat ihre Berechtigung: Hier landen die Tagestouristen an, denn hier wird das Halligerlebnis als Konzentrat serviert. Königspesel und Heimatmuseum, Sturmflutkino und Galerie, Kaufmann und Ambulanz, die Gaststätte »Zum Seehund« und die Schutzstation Wattenmeer, »Uns Hallig Hus« (Touristikbüro!) und das »Café Königspesel«, das Bürgermeisterbüro und das Feuerwehrgerätehaus, die T-Stube, ein Souvenirladen und ein Spielplatz – hier gibt die Hooger Infrastruktur einfach alles. Tipp: eine kleine Pause auf einer der malerischen, weißen Bänke bei den Fethingen machen – mittendrin und doch sehr romantisch!
Mitteltritt-Lorenzwarft
Das einzige Duett von Hooge, ein glückliches, attraktives Paar: Mitteltritt-Lorenzwarft ist eine Doppelwarft und trotz beeindruckender 250 Meter Länge ein relativ »schmales Hemd« mit nur knapp 120 Metern Breite. Bis zur Aufwarftung und Verbindung im Jahr 1966 waren beide Warften noch »Einzelgänger«, also getrennt durch einen schmalen Priel. Heute sind hier unteranderem ein Bauernhof, zwei attraktive Reetdachhäuser und »Frerk’s Buernhus« zu finden, indem auch ein Café mit Sonnenterrasse zu Hause ist. Mitteltritts Name sagt es bereits: Einst lag hier geografisch-mittig das Zentrum der Hallig, auch zeitweise die Schule, bis zahlreiche Sturmfluten in Folge Unmengen von Land verschlangen und Hallig Hooges Symmetrie umfassend komplett neu zentrierten.
Volkertswarft
Sie ist mit Sicherheit die jüngste aller Warften: Hier liegt das Durchschnittsalter nur selten über 30 – denn die Volkertswarft, 100 Meter im Durchmesser groß und rund 20 Meter hoch, wird exklusiv »besetzt« vom gleichnamigen Ferienhof für Jugend- und Familienfreizeiten. Früher war hier ein landwirtschaftlicher Betrieb zu Hause, heute ist die Volkertswarft legendäres und in einigen Internet-Blogs liebevoll dokumentiertes Ziel zahlreicher Klassenreisen. Bis zu 100 Personen können hier und im dazugehörigen urigen Zeltlager (auch für Einzelzelter!) auf der gegenüberliegenden Wiese untergebracht werden. Für ein buntes und stets altersgerechtes Programm (Nachtwanderungen, Führungen, Vorträge und Action) sorgen Leif Boyens und Swantje Paprotta, die auch regelmäßig auf der Internet-Plattform »youtube« nette, sehenswerte Kurzfilme, stimmungsvoll vertont, über Hooge einstellt!
Kirchwarft
Sie ist fast kreisrund, hat einen Durchmesser von 120 Metern und ist ein magnetischer Anziehungspunktfür Gäste: die Kirchwarft mit ihrem stattlichen, zweistöckigen Pastorat, an dessen Rücken sich der vergleichsweise zierliche reetgedeckte Kirchbau bescheiden anschmiegt. Das Pastorat, in seiner Herrschaftlichkeit relativ untypisch für die Halligen, wurde 1907 nach den Wünschen und Ideen der letzten deutschen Kaiserin Auguste Viktoria errichtet. Die Kircheist Hooges ältestes Gebäude. Sie wurde 1641 fertiggestellt und aus den Überresten einer von der großen »Mandränke« zerstörten Kirche auf Alt-Nordstrand erbaut, aus der Mauersteine, Kanzel, Taufbecken und Bankwangen stammen. Sehenswert: der idyllische Friedhof mit seinen Grabsteinen, von denen manche meerchenhaft mit Muscheln oder Muschelgrus bekränzt sind. An die südliche Kirchwand lehnt sich übrigens Deutschlands nördlichster Feigenbaum. Zu Füßen der Warft steht – vor dem großen Fahrradparkplatz – ein äußerst beeindruckender Sturmflutpfahl, dessen acht Ringe die Wasserstände schwerer Sturmfluten zwischen 1634 und1981 anzeigen: Da kommt der Betrachter sich erschreckend klein vor.
Ockelützwarft
Theoretisch könnten die anderen Warften alle ein bisschen neidisch herüberschielen: Die Ockelützwarft hat das sicherste Plätzchen von Hooge okkupiert, nie wirklich in Gefahr durch Küstenabbruch. Auch im Halligleben kommt dieser Warft eine zentrale Rolle zu: Sie ist Heimat der Schule, in der die Hooger Kinder bis zum Hauptschulabschluss jahrgangsübergreifend von ihrem Lehrer Uwe Jessel unterrichtet werden, danach müssen sie zur Aus- oder Weiterbildung aufs Festland. Das Schulhaus wurde 1965 nach der großen Sturmflut neu erbaut. Im ersten Stock gibt es die möglicherweise schönste Turnhalle der Welt mit bestechendem Panoramablick: auf das gegenüberliegende Fußballfeld, über weite Fennen bis zum Sommerdeich und darüber hinaus bis zur Vogelwarte von Norderoog weit, weit draußen im Watt. Tipp: einmal trainieren auf den Spuren der Hooger Kinder – mithilfe der gelben Markierungen für Sprintstrecken auf dem gegenüberliegenden Wirtschaftsweg (50 m, 75 m, 100 m)!
Backenswarft
Egal, wo man herkommt: Hier kommt man gut an auf Hooge. Die Backenswarft liegt nur wenige Schritte vom Fähranleger entfernt, zu schön um sie einfach rechts liegen zu lassen. Hier sind die Kutschen zu Hause, hier gibts Leihfahrräder (auch Tandems!) und ein kleines Reetdach-und Stall-Idyll rund um den Fething. Direkt hinter den Ringwall duckt sich ein Café mit dick bemoostem Reetdach und köstlichem Kuchen, nach phantasievollen Rezepten hausgebacken. Tipp: Die in Blau gehaltene Peselstube des Cafés wurde Ende 1920 vom Hamburger Maler Nikolaus Heinrich Soltau gestaltet. Vorm »Hus Halligblick« beäugt ein stattlicher Ziegenbock Besucher. Nur einen Katzensprung weiter liegt der berühmte »Friesenpesel«, eine Gaststätte mit Halligspezialitäten und echt musealen Qualitäten: In Vitrinen sind hier kostbarer historischer Friesenschmuck, Porzellan und Kristallglas ausgestellt. Der historische Pesel mit vielen holländischen Fliesen geht auf das Jahr 1740 zurück. Auf der Backenswarft gibts übrigens auchGeld: bei der Zahlstelle (eingeschränkte ÖZ) der Raiffeisenbank im »Hus in Lee«.
Ockenswarft
Etwas für Indidvidualisten: die am weitesten östlich gelegene Ockenswarft, die viel Format hat und rund 200 mal 170 Meter groß ist. Sie bietet einen zauberhaften Weitblick nach Pellworm, auf die Turmruine der alten Kirche, und eine Badestelle bei »Landsende«, von wo aus früher der gesamte Schiffsverkehr abgewickelt wurde. Nah genug dran an der zentralen und lebendigen Hanswarft, weit genug weg um Abstand zum Alltag zu wahren: Die Ockenswarft ist schon von Weitem auszumachen mit ihrem markanten weißen Sendemast, der sich wie ein vorwitziger Erstklässlerfinger in den Himmel reckt, für drahtlose Kommunikationsverbindungen sorgt und vor rund 30 Jahren das Seekabel ersetzte, das bei Sturmfluten stets gefährdet war. Früher war auf der Ockenswarft auch das Postamt zu Hause, in der guten alten Zeit, als noch jedes norddeutsche Dorf seinen eigenen »Posti« hatte.

- Hier können Sie sich den geografischen Schnell Überblick über Hallig Hooge verschaffen und die Schiffsverbindungen von und zur Hallig. Über alle Veranstaltungen auf Hallig Hooge und alles weitere Wissenswerte informiert die sympathische kleine »Hooger Flaschenpost«, ein Faltblatt, das regelmäßig einmal pro Woche in der Saison und im Zwei-Wochen-Turnus im Winter herausgegeben wird vom Touristikbüro auf der Hanswarft (zu finden im »Uns Hallig Hüs«). Die Flaschenpost hat es in sich: Ausflugstipps, Öffnungszeiten, »Dit un dat« (wie Standort von Glas- und Pappcontainern und andere Tipps), die Daten von Hoch- und Niedrigwasser, Hinweise auf geführte Wanderungen, Theateraufführungen und Vorträge, Gottesdiensttermine, wichtige Telefonnummern und Adressen. Die Flaschenpost ist – zur Vorbereitung auf den nahenden Halligaufenthalt oder als Gegenmittel bei Heimwehattacken nach Hooge – auch im Internet herunterzuladen auf www.hooge.de. Dort finden Sie ebenfalls jede Menge Infos von und für Hooge sowie die Übersicht über alle Gastgeber und Buchungsmöglichkeiten.
