NEUES VON EKKE NEKKEPEN

Wegweisend Die Geologin Dr. Renée Oetting-Jessel, zertifizierte Gästeführerin und seit 1983 auf Hooge zu Hause, lädt ein zu einer Halligerkundung abseits der touristischen Pfade.

Von der Nordsee, der Mordsee vom Festland geschieden *aus:Wolfgang Borchert »Prolog zu einem Sturm«
Liegen die Friesischen Inseln im Frieden.
Und Zeugen weltvernichtender Wut,Taucht Hallig auf Hallig aus fliehender Flut.
Die Möwe zankt schon auf wachsenden Watten,
Der Seehund sonnt sich auf sandigen Platten.

Trutz, Blanke Hans.

Mit Detlev von Liliencrons Ballade über den Untergang des sagenumwobenen Ortes Rungholt im geistigen Gepäck kommt so mancher Tagesgast auf die Hallig, um hier der Dramatik von Sturmflut und Verderben nachzuspüren. Auf der Strecke zwischen Anlegekai, Kirchwarft und Königspesel neigt der eine oder andere schonmal zur Ehrfurcht gegenüber den unbeugsamen Einsiedlern, die hier das ganze Jahr auf ihren Warften leben. Und auch Erstaunen: Strom gibt es hier, fließend Wasser und sogar schnelle Internetverbindungen, auf die noch manche ländliche Gemeinde auf dem Festland verzichten muss. Ein Schnellkurs durchsieben Jahrhunderte Halliggeschichte, nicht immer präsentiert von denen, die wirklich wissen, wie sich der Winter hier auf der Hallig anfühlt – dann ist es auch schon wieder Zeit
zur Abfahrt.

Hallig Hooge ist fünfeinhalb Quadratkilometer groß.
Die meisten Tagesgäste lernen jedoch nur einen Bruchteil der Hallig kennen.
Wie die Flut dem Mond, folgt der Besucherstrom der Anziehungskraft der touristischen Highlights und ebbt auf gleichem Weg zurück zum Kai, derweil ...

Der ist nämlich gut bekannt mit Ekke Nekkepenn. Wer das wiederum ist? Die Sage bezeichnet Ekke Nekkepenn als einen der Söhne des Meerkönigs Ecke. Er hat auf Sylt viel Schabernack mit den Insulanern getrieben, bis er beschloss, sich als guter Geist auf Hallig Hooge niederzulassen. Jetzt wacht er von seinem Standort unterhalb der Westerwarft über die Halligbewohner. Dem, der sich auf den Weg nach Westen macht, weiß er so manches zu erzählen, von den Besonderheiten der Hallig, vom Leben der Menschen zwischen Watt und Wirklichkeit: Seemannsgarn und Geschichten, die das Halligleben schreibt. Urlaubern gegenüber ist er hin und wieder recht großzügig und überlässt ihnen eine seidig schimmernde Perle. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn Sie neugierig darauf geworden sind, schwimmen Sie nächstes Mal bei einem Besuch auf Hooge gegen den Strom. Mit etwas Zeit und einem Fahrrad besuchen wir während meiner Führung natürlich die Kirchwarft, aber auch die westlichen Warften. Auf der Route über den steinernen Sommerdeich blicken wir ins Watt, wo Warften in Sand und Schlick versunken sind, die vor Jahrhunderten noch als »Beste und Vornehmste im ganzen Lande« beschrieben wurden. Erst der Bau des Deiches in den Jahren 1911 bis 1914 beendete diese Landverluste. Der Kampf gegen Basalt und Buhnen raubt dem »Blanken Hans« hier bis heute viel Kraft. Aber Stürme und Sturmfluten bleiben letztendlich unberechenbar. Sie nutzen jede Schwachstelle,
die sich ihnen bietet für ihr zerstörerisches Werk. Der Erhalt der Halligen als unverzichtbarer Wellenbrecher für das schleswig-holsteinische Hinterland bleibt daher eine ständige Aufgabe, der sich die jeweiligen Landesregierungen stellen müssen.

Die Rundfahrt endet im Halligzentrum, auf der Hanswarft. Hier lohnt sich der Blick ins Heimatmuseum, das die unterschiedlichen Facetten des Halliglebens anschaulich darstellt. Kapitäne und Künstler, Deicharbeiter und Landwirte, Männer wie Frauen haben dem »Blanken Hans« über die Jahrhunderte einen ganz besonderen Lebensraum abgetrotzt. Sie wissen um die Besonderheit dieses Naturraumes und setzen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten immer wieder dafür ein, ihn zu erhalten. Dieser Einsatz ist im Jahr 2005 mit der Anerkennung der Halligen als Biosphärenregion von der UNESCO gewürdigt worden.

 

 

*aus: Wolfgang Borchert »Prolog zu einem Sturm«

... das Meer grinst grün und glasiggrau,
die Fische fliehn in tiefere Geflute.
Sogar dem alten Kabeljauist recht gemischt zu Mute.*