STURM ALS KINOSTAR

Fotos: Hans Jessel

SEHENSWÜRDIG Sie haben meist den besonderen Charme der Zeitreisen, die Attraktionen von Hooge, bei deren Besuch man in die jüngere und ältere Vergangenheit eintauchen und sogar komplett »landunter« gehen kann

 

Nasse Füße – zumindest gedanklich – holt man sich im Sturmflutkino auf der Hanswarft, das während der Saison täglich alle 20 Minuten neu einen spektakulären Kurzfilm über das legendäre »Landunter« zeigt. Intensiver lässt sich nicht nachfühlen, wie es sich hier lebt, wenn die Elemente die Halligen plötzlich zu ihrem Spielball machen und bis auf die Warften alles im Wasser versinkt. Auch falls Sie in größerer Gruppe unterwegs sind – einfach mit dem Vorführer kurz absprechen, wann man kurzfristig in den Genuss der Vorführung kommen kann, das klappt schon.

Sturmflutkino, Thomas Diedrichsen, Telefon 04849/271

 

Mitten hinein ins 18. Jahrhundert gehts direkt hinter der Haustür vom Königspesel, ebenfalls auf der Hanswarft. In dem Kapitänshaus von Tade Hans Bandixen aus dem Jahr 1677 hat sogar mal König Friedrich VI. von Dänemark übernachtet. Damit ist er quasi der Taufpate des musealen Hauses, das mit viel Liebe zum Detail nahezu originalgetreu eingerichtet ist. Offen stehen zur Besichtigung: die gute Stube, also der »Pesel«, die Küche und die Kellerkammer. Zu entdecken sind wahre Schätze und viel Flair vergangener Tage: mit historischen Fliesen und Fayencen, Hausrat von anno dazumal, Decken- und Türenmalereien und vielen Kostbarkeiten, die die Kapitäne und Grönlandfahrer des Hauses einst von monatelangen Reisen mitbrachten.

Königspesel, Familie Bandixen, Telefon 04849/219
 

Riesige Bernsteine zeugen von viel Finderglück, Wattfunde von untergegangenen Warften, die friesische Wohnstube und Trachten von früher: Halligheimatkunde im »Heimat- und Halligmuseum« auf der Hanswarft macht Spaß und lädt zum ausgedehnten Spazierengucken ein. Zwischen faszinierendem Nordseegetier (ja, auch knopfäugige, ausgestopfte Seehunde sind dabei!), schrankähnlicher enger Schlafstätte und alter Kochstelle lässt sich genüsslich herumspinnen und ausmalen, wie die Menschen hier wohl einst lebten.

Holger Wulf, Telefon 04849/238

 

In der Schutzstation Wattenmeer, Hanswarft, im »Erlebniszentrum Mensch & Watt« werden nahezu alle Fragen beantwortet, die einem beim Spaziergang durch die Wiesen zwischen den Warften so einfallen zum Nationalpark, zu Flora und Fauna, zur Biosphäre Halligen, auch die von Festländern so häufig gestellte Grundsatzfrage, wie Ebbe und Flut denn eigentlich entstehen. Eine große Ausstellung, mit vielen informativen und interaktiven Elementen, vermittelt spielerisch und sehr unterhaltsam eine Fülle von Informationen. Und im Idealfall auch ein neues, von tiefem Verständnis geprägtes Bewusstsein für das sensible Ökosystem vor Ort.

Erlebniszentrum Mensch & Watt, Telefon 04849/229

 

Die Halligkirche St. Johannis stammt aus dem 17. Jahrhundert und hatte zunächst keinen richtigen Altar: Bis 1931 diente das Ölbild an der Nordseite als Altaraufsatz. Es zeigt einen Pelikan, der der Sage nach seine Jungen mit seinem Blut nährte und zum christlichen Sinnbild für Jesus’ Opfertod wurde. Der heutige Altar stammt von 1857, stand früher in Klanxbüll auf dem Festland. Die Orgel wurde 1959 eingebaut: Weil damals starker Eisgang herrschte, spedierte sie ein Hubschrauber in Einzelteilen nach Hooge. Die Farben der Kirche sind Blau, Rot und Gelb/Gold in Anlehnung an die Farben, die früher traditionell die friesischen Halligstuben dominierten.

Pastorat Hooge, Telefon 04849/230
Stell dir vor, wie sie damals gelebt haben, die Friesen: Blick in die gute Stube des Heimat- und Halligmuseums, rechts ein Alkoven-Bett
Sieht von außen sehr einladend aus, aber innen toben beeindruckend die Fluten: Im Sturmflutkino ist »Landunter« der Leinwandstar