NEBENAN

ÜBERSICHT Hooges Nachbarinnen können sich natürlich alle sehen lassen, sind aber nicht alle zu besichtigen. Neun Halligen gruppieren sich um ihre »Königin«, wie die Hooger ihre Heimat gern mal nennen. »Schwimmende Träume« hat sie einst der Schriftsteller Theodor Storm genannt, was so romantisch klingt wie viele Geschichten, die sich um die Halligen in der nordfriesischen See ranken.

Täglich 9.15 und 14.30 Uhr ab Nordstrand nach Hooge, Amrum, Sylt!



OLAND

2,8 Kilometer lang und 500 bis 1.300 Meter breit: Hier gibts eine Schule, eine Kirche, ein Gasthaus, ein Gemeindehaus mit Bücherei, einen Leuchtturm, eine Poststelle, einen Friedhof, einen Fernsprecher. Oland hat zwei Besonderheiten, die die anderen nicht haben: einen reetgedeckten Leuchtturm, einzigartig in Europa, und die Dichterin Elfriede Rotermund, die hier anfangs des 20. Jahrhunderts zahlreiche Novellen verfasste. Auf der einzigen Warft 17 Häuser, in denen knapp drei Dutzend Menschen wohnen. Seit knapp 100 Jahren ist die Hallig durch einen Lorendamm mit dem Rest der Welt, also mit dem Festland, verbunden. Ihre Gleise führen von Dagebüll aus her und dann weiter nach Langeneß. Die offenen Loren transportieren Einkäufe und auch alle Feriengäste, die es jedes Jahr hierher zieht. Insgesamt gibt es 60 Betten für Urlauber auf Oland.


HABEL

655 Meter lang und an der »dicksten« Stelle mal grade 100 Meter breit: Bis zu 60 Mal im Jahr wird Habel überflutet. Seit fast 100 Jahren lebt hier niemand mehr dauerhaft. Zu Gast sind während des Sommers lediglich ein Vogelwart, Studenten, Zivildienstleistende oder Menschen, die sich ehrenamtlich für die Halligen einsetzen. Sie passen auf, dass keine Unbefugten Habel betreten. Denn das ist hier streng verboten: Pflanzen und Tiere sollen ungestört bleiben. Der Verein Jordsand, der für die Betreuung zuständig ist und Habel seit 1983 vom Land Schleswig-Holstein gepachtet hat, informiert über Leben und Aufgaben des Vogelwarts (www.jordsand.de). Der muss – nebenbei – auch richtig Hand anlegen. Er kümmert sich um den Küstenschutz und entsorgt den Spülsaum, räumt also all das weg, was das Meer im Wechsel von Ebbe und Flut so heranschafft und hier ablädt.


GRÖDE

Foto: H. Widera

277 Hektar ist sie groß und besteht streng genommen aus zwei Teilen: Erst mit dem Dammbau wuchsen Gröde und Appelland zu einer der drei größten Halligen zusammen. Keine 20 Menschen leben hier, was die Hallig zur viertkleinsten Gemeinde der BRD macht und regelmäßig bei Bundestagswahlen kurz nach 18 Uhr im Fernsehen erscheinen lässt – wegen des fix ausgezählten Ergebnisses. Gröde ist autofreie Zone, Shoppingfans haben hier wenig zu suchen. Wer etwas braucht, bestellt beim Kaufmann auf dem Festland. Kenner behaupten, Gröde sei die schönste aller Halligen, Insider meinen, der hiesige Bürgermeister der attraktivste der Region. Am besten beides mal direkt vor Ort überprüfen. Und dabei unbedingt auch den kleinen Kirchraum mit seinem Renaissance-Altar ansehen!

Anreise mit den Adler-Schiffen ab Strucklahnungshörn/Nordstrand, Hafen Hörnum/Sylt und Wittdün/Amrum!


LANGENESS

Foto: Natalie Eckelt

Rund 10 Kilometer lang, bis zu anderthalb Kilometer breit: Langeneß ist mit 10 Quadratkilometern die größte Hallig. Auf 18 Warften leben rund 100 Menschen. Langeneß sticht nicht nur in Sachen Größe und Form (Langeneß = lange Nase) hervor. Sie hat manche Besonderheit vorzuweisen: So ist es hier erlaubt, ein Auto mitzubringen, was man aber eigentlich wirklich nicht braucht. Viel gibt es hier zu entdecken: die Schutzstation Wattenmeer, Leuchtturm, Sportboothafen und gleich drei Museen. Das Kapitän-Tadsen-Museum ist ein original erhaltenes Hallighaus von 1741. Auch die Friesenstube auf der Honkenswarft, eines der raren Familienmuseen im Land, zeigt, wie hier das Leben einst war. Im Gertsen-Haus erfährt man vieles über Salzgewinnung und den berühmten Kapitän Boye Petersen. Übrigens: Hier kann man auch heiraten!


HAMBURGER HALLIG

Vier Kilometer lang, bis zu zwei Kilometer breit: Die »Hamborjer Hali«, wie sie auf Friesisch heißt, ist eigentlich ein Schummler und gar keine »echte« Hallig, weil sie seit 1860 mit einem Damm Festlandanschluss hat. Ihren Namen verdankt sie zwei Hamburgern, den Brüdern Amsinck. Sie lebten hier noch vor der zerstörerischen, riesigen Sturmflut im Jahr 1634, züchteten Schafe, bauten Dämme und ein Haus. Auf der Hauptwarft gibts heute den »Hallig Krog«, die Nationalpark-Station mit Wattwerkstatt und Mini-Ausstellung. Die Hamburger Hallig ist übrigens die einzige mit einem Berg, was wiederum ebenfalls eigentlich geschummelt ist: Denn der »Kuhberg« ist eine unbebaute, flache Warft in der Nähe der Hauptwarft, die den Kühen bei leichtem Landunter als Rettungsinsel dient.


SÜDFALL

1,2 Kilometer lang und bis zu 600 Meter breit: Das heutige Format hat Südfall seit der Februarflut im Jahre 1825, als zwölf Familien ihr Leben ließen. Anfang des 20. Jahrhunderts kaufte Gräfin Diana von Reventlow-Criminil Südfall: Sie lebte hier in einem Villenbau aus Holz. Als sie 1953 starb, verkauften die Erben die Hallig an das Land Schleswig-Holstein, Pächter ließen ihre Schafe hier weiden. Die Villa wurde abgerissen, ein schlichteres Hallighaus gebaut. Seit 1957 hat der Verein Jordsand die Betreuung von Südfall übernommen. Die Hallig steht unter Naturschutz. Ein Wasserwart und seine Frau leben hier, in ihrem Haus und den Nebengebäuden sind Vogelschutzstation und Funkstation der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger untergebracht. Hier gelten strenge Regeln: Menschen dürfen Südfall nur unter Aufsicht betreten, nach Anmeldung beim Wasserwart.


NORDEROOG

Länge 640 Meter, Breite 210 Meter: Auf Norderoog wirds manchmal ganz schön voll – wenn um die 50.000 Zugvögel gleichzeitig Rast machen auf der einzigen Hallig in Privatbesitz. Sie gehört dem Verein Jordsand, der sie 1909 für 10.000 Goldmark kaufte. Zeitweise war Norderoog der beliebteste Brutplatz der Austernfischer. So viele Paare wie hier fand man in der Deutschen Bucht nirgendwo. Auf Norderoog gibt es keine Warft, nur noch zwei Pfahlbauten. Jens Sörensen Wand (genannt der »Hallig-Robinson«), der an der norddeutschen Küste legendäre Vogelwart, der mit Abstand am längsten auf der Hallig im Dienst war und auf dem Friedhof von Hallig Hooge beerdigt wurde, hat die erste Pfahlhütte 1909 erbaut. Sie steht heute restauriert in Wilhelmshaven. Seit 1977 gibt es hier zwei moderne Hütten, in denen sich Besucher über Vogelschutz informieren können.


SÜDEROOG

Etwas über einen Kilometer lang, am dicken Ende exakt 785 Meter breit: Heute darf Süderoog, das seit 1971 dem Land Schleswig-Holstein gehört, nur bei Führungen von Pellworm aus betreten werden, liegt in der Schutzzone 1 des Nationalparks Wattenmeer. Vögel sollen hier im Frühjahr wie Herbst einen ruhigen Rastplatz finden. Für zwei Personen gilt diese Beschränkung nicht: für den Küstenschützer und seine Frau. Sie leben als Pächter auf der einzigen Warft der Hallig. Manchmal kümmern sie sich allerdings um ganz besondere Gäste. Denn Süderoog ist der »naturnächste Trauungsort« der Gemeinde Pellworm, nach einem gemeinsamen romantischen Fußmarsch durchs Watt gibt man sich hier entschlossen das Jawort im Pesel des Hallighauses.


NORDSTRANDISCHMOOR

2,6 Kilometer lang, 800 Meter breit: »Lüttmoor«, kleines Moor, sagen die Einheimischen. Besucher wattwandern zur Hallig oder fahren mit dem Adler-Schiff von Nordstrand aus rüber. Einheimische nutzen den Lorendamm zur jüngsten der zehn Halligen. Sie entstand 1634, als die Sturmflut die Insel Strand in drei Teile zerriss. Nach der Flut, die die Hallig schuf, siedelten sich hier Familien an. Sie lebten vom Ertrag des Hochmoores, fischten, hielten Schafe. Heute leben hier 22 Einwohner auf vier Warften. In der Minischule hält der Pastor von Odenbüll/Nordstrand Gottesdienste ab. Das Gräberfeld des Friedhofes ist denkmalgeschützt, die marmornen Grabsteine sind hier »flachgelegt«, damit sie bei Landunter nicht vom Wasser fortgerissen werden.

Anreise mit den Adler-Schiffen ab Strucklahnungshörn/Nordstrand!