LECKER: HALLIG ZUM ESSEN

Das macht Appetit: die Zutaten für Birnen, Bohnen und Speck, und eine Terrine Fliederbeersuppe

ESSEN&TRINKEN Hooge kann man zum Fressen gern haben. Hier ein kleiner Ausflug in die Küchen, ein paar Klassiker zum Nachkochen und die Übersicht über alle, die köstlich auftischen

Für jede Jahreszeit gibts das passende Halligrezept. Rezepte, die aufwärmen, Rezepte, die durchwärmen, Rezepte, die erfrischen. Was die Hallig alles so aufkocht, schmeckt vor allem richtig gut – das ganze Jahr durch. Eine besondere Spezialität ist der leckere »Mehlbüddel«, der seinen Namen dadurch erhielt, dass er früher in einem Leintuchbeutel per aufwändigem Wasserbad stundenlang gegart wurde. Serviert wird er scheibenweise, gern mit zerlassener Butter, Backobst, Sirup oder Früchten. Ursprünglich war der von Seefahrern angeschleppte Mehlbüddel eine süß-salzige Kombination: Um den Kaloriengehalt zu erhöhen und dem Geschmack einen besonderern Pfiff zu geben, wurde dem Garwasser ein Stück Schweinebacke zugesetzt. Heute gart er meist in einer speziellen Form, was das Handling für die Küche einfacher macht.

Dass man hier Fisch in allen Variationen zu sich nimmt, liegt auf der Hand und vor der Haustür. Selbstgesammelte Austern oder Miesmuscheln sorgen für Highlights. Krabben isst man hier gern als Frikadelle: Dafür werden Krabbenfleisch, Ei, Salz, Pfeffer, Zwiebel, Pellkartoffel und Schinken durch den Fleischwolf gedreht, geformt und bei schwacher Hitze gebraten. Aber was verbirgt sich hinter »Bottermelksupp mit Klümp«? Eine köstliche Süßigkeit, für die ein Liter Buttermilch mit Zimt-Zucker aufgekocht und dann mit Puddingpulver angedickt wird, als Krönung gehören Rosinen dazu und die »Klümp«, die Grießklöße. Die spätsommerliche Variante dazu ist Fliederbeersuppe (viel Vitamin C!). Sie wird mit Äpfeln, Zimt und Zucker angesetzt und ebenfalls mit Grießklößen serviert.

Jeder gute Friesengarten hat einen: den Birnbaum mit den steinharten Kochbirnen, die eher zum Schmeißen als zum Aus-der- Hand-Essen herausfordern. Daraus kochen Insel- und Halligbewohner mit Vorliebe »Birnen, Bohnen und Speck«, einen richtigen Küstenklassiker. Dafür wird ein Stück Speck in Wasser vorgegart, die Bohnen mit Bohnenkraut werden hinzugefügt und geköchelt, bevor zum Schluss für 20 Minuten die Birnen (Stiel nach oben!) in das Bohnengemüse gesetzt werden. Achtung: Sie dürfen nicht zerfallen! Der Speck wird in Scheiben geschnitten, das Bohnengemüse mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt, Salzkartoffeln dazu – fertig.

Zum Nachtisch gönnen Sie sich einen kleinen Sprachkurs: Wenn man Ihnen hier irgendwas mit »Porren« anbietet, hat das nichts mit Lauchstangen zu tun. So heißen hier die Krabben. Eine »Tote Tante« ist kein Trauerfall, sondern ein heißer Kakao mit Rum-Schuss. Und ein »Futje« ist nichts, was verschwunden, also »futsch« ist, sondern ein wunderbares Mehlgebäck, das in heißem Fett ausgebacken und in Puderzucker oder Zimt und Zucker gestippt wird. Von Letzterem sollten Sie die Finger lassen, wenn man Ihnen einen Teepunsch (dünner Tee mit geele Köm oder Kümmelschnaps) anbietet: Dann »dunt« das nicht so fix, wie die Halligbewohner sagen.

Ihnen läuft das Wasser im Mund zusammen? Dann kochen Sie sich doch mal richtig durch, durch die ganze Hallig: Die besten Tipps dafür gibts auf www.hooge.de/Rezepte


TIPP HALLIG HOOGE SPEZIAL 1 UND 2

Ab Nordstrand von April bis Juni und im September sowie Oktober: Schifffahrt mit der »Adler-Express« nach Hooge inklusive Kutschfahrt, Eintritt Königspesel und wahlweise einem ordentlichen »Mehlbüddelessen« (Spezial 1, Abfahrt 9.15 Uhr) oder der echt »Friesischen Kaffeetafel« mit lecker Friesentorte (Spezial 2, Abfahrt 14.30 Uhr)