KAPITÄN MIT KURS AUF DEN ERFOLG

JUBILÄUM Sechzig Jahre Adler-Reederei: eine spannende Seefahrt durch die Jahrzehnte – vom spontanen Ausflug mit dem kleinen Fischerboot bis zum innovativen Unternehmen mit viel Weitblick.

Die Ur-Adler
Die Adler-Express

Bis in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts muss man zurückblicken auf der Suche nach den Anfängen der Adler-Reederei: Da fährt Kurt Paulsen mit der »Adler I« von Nordstrand zum Fischen raus aufs Meer und plötzlich lauern Gäste am Anleger und wollen »mal mitfahren zu den Halligen«. Es gibt keinen Fahrplan, keinen Bordproviant, es geht rustikal zu, was die Gäste lieben, vor allem, wenn sie helfen müssen, Vieh zu treiben oder Fischkisten zu schleppen. Halligversorgung als frühtouristisches Showprogramm, das spricht sich rum. Rasch wird ein neues Boot angeschafft und wieder ausgetauscht und nochmal ersetzt. Richtig Fahrt mit Kurs Zukunft nehmen die »Adler« auf, als Sven Paulsen 1986 das Unternehmen vom Vater übernimmt. Er ist als Kapitän mit allen Wassern der Weltmeere gewaschen, obendrein studierter Nautiker und ein flexibler Mann mit Visionen und schier unerschöpflicher Kreativkraft. Anfang der 90er-Jahre entstehen, neben dem verbindlichen Faktor, den die Reederei längst zwischen den Inseln und Halligen spielt, ganz neue Konzepte zur maritimen Unterhaltung auf Sylt mit den ersten Törns zum Seetierfang, mit Kutterfahrten zum Makrelenangeln. Und das Unternehmen wächst weiter: Mit der Öffnung der Grenze nimmt die Adler-Reederei auch Kurs auf die Ostsee, sorgt dort für neue touristische Impulse an der Küste und schafft viele Arbeitsplätze.

1995 geht Sven Paulsen quasi an Land: Er kauft die Sylter Verkehrsgesellschaft und hebt binnen weniger Jahre auf Sylt den bis dahin mit Oldtimercharme betriebenen Personennahverkehr auf großstädtischen Standard, mit einer hochmodernen Busflotte. Heimathafen aller Paulsenschen Innovationen, der Mann ist ein notorischer Mobilitätsfaktor, ist die Insel Sylt. Hier lebt er mit seiner Familie, von hier aus steuert er das inzwischen weitverzweigte Unternehmen. 24 Adler-Schiffe sind heute unterwegs auf Nord- und Ostsee, auf dem Nord-Ostsee-Kanal, in der Eider-Treene-Region und bei allen großen Hafen-Events des Nordens. Längst bieten die SVG-Busse mit einem vielfältigen Tagesausflugsprogramm auch auf dem Festland mehr als nur Transport. Die »Freya«, der einzige historische Seitenraddampfer Norddeutschlands und ab Kiel unterwegs, ist das stilistische Aushängeschild der Reederei. Die Adler-Express, das einzige Schnellschiff, das Inseln, Halligen und Nordstrand verbindet, das futuristische Flaggschiff des Hauses. Charmant schlagen heute zwei urige Kutter, mit denen es von List aus zu den Seehunden hinausgeht, den Bogen zurück. Zu den rustikalen Anfängen der Adler-Reederei, die ein echter Seemann nie vergisst: Wenn mal irgendwo Gäste »hängenbleiben«, wie es vor einigen Jahren auf Amrum geschah, dann kann es schon mal vorkommen, das »Cheffe« kurzerhand selbst das Ruder in die Hand nimmt und »schnell mal rüberfährt, die Leute abholen«.